Das
Genrebild des Wiener Biedermeiermalers Johann Matthias Ranftl
(18041854) ist einer der wenigen Belege für das "Sommer-
und Winterspiel" in Niederösterreich. Es zeigt eine bäuerliche
Stube, den Wohn- und gleichzeitig winterlichen Arbeitsraum einer kinderreichen,
aber nicht unbedingt ärmlichen Familie.
Rechts
im Bild sitzt der Großvater an der Heinzelbank, um kaputtes
Werkzeug instandzusetzen. Links im Bild die Mutter, die ihre Arbeit
am Spinnrad unterbricht, um ihre Zuflucht suchenden Kinder zu beruhigen.
Im Hintergrund die still beobachtende Großmutter. Davor der
Vater, der die bellenden Hunde zu beruhigen sucht. Die plötzliche
Unruhe wird durch das Hereinstürmen zweier als Sommer und Winter
verkleideter Knaben und eines zufällig mitlaufenden Ziegenbockes
verursacht.
Der
"Sommer" ist in ein Leintuch gehüllt, trägt
am Kopf einen Strohkranz mit Ähren und in der Hand einen grünen
Buschen. Der "Winter" ist mit immergrünem Laub umwunden,
sein Gesicht ist geschwärzt. Drohend hält er eine zweizinkige
Gabel. Darstellungen des Sommers und Winters sind aus vielen Gegenden
Mitteleuropas bekannt, doch sie lassen sich weder terminlich noch
ausstattungsmäßig vereinheitlichen. Vermutlich gehen sie
auf mittelalterliche Laetarebräuche (= Totensonntag) in der Fastenzeit
zurück: Zur Zeit der großen mittelalterlichen Pestwellen
war das "Todaustragen", der Sieg über den Tod durch
dessen symbolische Vernichtung, weit verbreitet. Romantisierend taucht
später der Winter als Allegorie des Todes und seine Besiegung
durch den Sommer auf. Die Darstellung des Kampfes der Jahreszeiten
wird auch als Anlehnung an Turnierkämpfe interpretiert, untermauert
durch die Herkunft eines von "Sommer" und "Winter"
vorgetragenen Streitgespräches aus der höfischen Dichtung
des 16. Jahrhunderts.
Im
Wettstreit preist jeder seine Vorzüge und prangert die Nachteile
des anderen an. Schließlich siegt der Sommer über den Winter.
Mit der Aufklärung wurde um 1800 sowohl das "Todaustragen"
als auch der Winter- und Sommerstreit zum harmlosen Gang von Kindern
von Haus zu Haus. Als Termin gilt für das Sommer- und Winterspiel
in Niederösterreich der Faschingsdienstag, in Deutschland und
dem böhmisch-mährischen Raum der Sonntag Laetare bzw. die
Fastenzeit. Für Niederösterreich, genauer Göpfritz
an der Wild, findet sich ein letzter Beleg für dieses Spiel in
einer Schilderung aus dem Jahr 1859.
Bildquelle:
Sommer- und Winterspiel, Ölgemälde von Johann Matthias Ranftl,
1834; NÖLM, Inv.-Nr. 6235; Foto: Gerhard Trumler