Kardinal Franz II. Xaver Altgraf von Salm-Reifferscheidt, Fürstbischof
von Gurk, leitete das Bistum Gurk von 1783 bis 1822. Nach dem Tode
des Bischofs Joseph II. Anton Graf von Auersperg wurde er mit kaiserlichem
Dekret vom 20. November 1783 zum Gurker Bischof bestellt, im Juli
1784 erhielt er von Erzbi-schof Hieronymus von Colloredo in Salzburg
die Bischofsweihe. Seine Domkirche besuchte er erstmals am 13. August
1784, die feierliche Installation fand aber erst am 16. Mai 1785 statt.
Der neue Fürstbischof war der älteste Sohn von Anton Altgraf
zu Salm-Reifferscheidt und der Raphaela von Rogendorf.
Sein
Vater wirkte als einer der Erzieher des jungen Joseph II. Am 1.
Februar 1749 zu Wien geboren, soll er zum Kreis der Gesellschafter
und Spielgenossen des jungen Joseph II. gezählt haben. Nach dem
Besuch des Theresianums führten ihn Bildungsreisen nach Deutschland,
Italien, Frankreich und England. Danach entschloß er sich für
den geistlichen Stand und begann seine theologischen Studien in Rom.
Papst Pius VI. weihte ihn persönlich am 26. Februar 1775 in der
Peterskirche zum Priester. Schon 1767 war er mit einem Kano-nikat
in Olmütz ausgestattet worden, und anläßlich der Krönung
Kaiser Josephs II. erhielt er ein weiteres Kanonikat in Salzburg.
Seine adelige Herkunft ermöglichte ihm die Aufnahme in die Domkapitel
von Köln und Straßburg. Maria Theresia zeichnete ihn mit
der Bestellung zum Auditor Rotae an den päpstlichen Gerichtshof
in Rom aus.
Franz
II. Xaver Altgraf von Salm-Reifferscheidt war der letzte Bischof
von Gurk, der noch in Straßburg residierte, wenn auch nur wenige
Jahre. Als eine der Auswirkungen der josephinischen Kirchenreformen
wurde im Jahre 1786 der Sitz des Gurker Bischofs nach Klagenfurt verlegt.
Bei der Übersiedlung wurde dem Bischof der Viktringer Hof in
Klagenfurt als Residenz überlassen. Später bot man dem Bischof
das Schloß der Erzherzogin Marianne beim Kloster der Elisabethinen
an. Im Frühjahr 1791 übersiedelte der Gurker Bischof in
seine neue Residenz; sie ist es bis heute geblieben.
Die
josephinische Diözesanregulierung in Innerösterreich
1787 brachte dem Gurker Bistum eine beträchtliche Ausweitung
des Diözesangebietes: es erstreckte sich nun auf ganz Kärnten,
mit Ausnahme des Lavanttales. Mit dieser Gebietsausweitung war für
den Bischof auch das uneingeschränkte jus ordinariatus in seiner
Diözese verbunden, das Bistum Gurk war nicht mehr von Salz-burg
abhängig.
Die
nächsten Jahrzehnte sollten dem Fürstbischof in seiner
neuen Residenz in Klagenfurt aber auch beschwerliche Zeiten bringen.
Die der französischen Revolution folgenden Koalitionskriege haben
auch Kärnten mehrfach betroffen, nämlich 1797, 1805 und
1809. Am 19. Mai 1809 waren neuerlich französische Truppen in
Klagenfurt einmarschiert. Wiederum stellte sich Fürstbischof
Salm als Vermittler zur Verfügung, auch vor materiellen Opfern
scheute er nicht zurück. Schließlich rettete er das letzte
der vier Klagenfurter Stadttore vor der Sprengung, indem er dafür
30.000 Gulden bezahlte.
Fürstbischof
Salm war durch seine Erziehung und sein Nahverhältnis zu
Kaiser Joseph II. von den Ideen des Josephinismus beeinflußt,
aber eher in einer Form eines manierierten Josephinismus. Seine Herkunft
prägte ihn gleichermaßen als Diener der Kirche und als
Würdenträger des Staates. Er hat in seiner Diözese
die josephinischen Kirchenreformen genau und gewissenhaft erfüllt,
dabei aber die religiöse Komponente seiner Stellung nicht vergessen
oder vernachlässigt. 1801 konnte er das Priesterhaus in Klagenfurt
neuerlich installieren und dort die Erziehung und Ausbildung persönlich
überwachen. 1804 wurde das verfallene Priesterseminar in Klagenfurt
wiederhergestellt.
In
seiner Güte und Menschenfreundlichkeit war er die bestimmende
Persönlichkeit seiner Zeit in Klagenfurt und in Kärnten.
Sein Wirken fand zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen. Bei der Wahl
des neuen Papstes Pius VII. wurde er zum päpstlichen Thronassistenten
und Hausprälaten beim Apostolischen Stuhl bestellt, im Jahre
1816 erhielt er die Kardinalswürde.
Fürstbischof
Salm war ein eifriger Förderer von Kunst und Wissenschaft.
Die bischöfliche Residenz wurde zum kulturellen und geistigen
Mittelpunkt, bedeutende Gelehrte und Künstler standen mit ihm
in engem Kontakt. In Klagenfurt erinnert der Kardinalplatz mit dem
von Fürstbischof Salm in Auftrag gegebenen Obelisken an die herausragende
Persönlichkeit. Sein Name ist auch eng verbunden mit der Erstbesteigung
des Großglockners am 28. Juli 1800.
Die
wirtschaftlichen Unternehmungen des Fürstbischofs Salm gestalteten
sich weniger erfolgreich, vor allem die eisenverarbeitenden Betriebe
waren wenig ertragreich. Die ausländische Konkurrenz und die
Aufnahme von Anleihen führten zum finanziellen Ruin dieser Wirtschaftsbetriebe
und damit der bischöflichen Verwaltung. 1821 kam es zum völligen
Zusammenbruch der wirtschaftlichen Angelegenheiten des Bistums, und
Fürstbischof Kardinal Salm verarmte durch seine Güterteilung
total. In seinem letzten Lebensjahr verblieb ihm eine kleine Wohnung
mit zwei Zimmern im Klagenfurter Priesterseminar. Er ist am 19. April
1822 verstorben und fand in der bischöflichen Gruft der Kollegiatkirche
St. Nikolai in Straßburg seine letzte Ruhestätte.
Bildquelle:
Kardinal Fürstbischof Franz II. Xaver Altgraf Salm-Reifferscheidt
(17491822). Öl auf Leinwand, A. Hauser 1821; Landesmuseum
für Kärnten