1950 war Giuseppe "Nino" Farina der erste FIA-Automobilweltmeister
der Nachkriegszeit. Der Italiener war Jahrgang 1906; als er sich den
Titel auf Alfa Romeo holte, war er immerhin schon 44 Jahre alt. Er
blieb zeitlebens der große Unbekannte, weil er sich tief in
den Schatten zurückzog, sein Privatleben war ihm heilig. Als
er Weltmeister wurde, verbat er sich jeden Rummel. Er hatte keine
Starallüren und keine Hobbies. Seine einzige Leidenschaft war
das Rennfahren, eine Leidenschaft, die er nur für sich allein
auslebte.
Sein Vater gründete die erste Karosseriefabrik in Turin: Stabilimente
Farina. Sein Onkel war der berühmte Pinin Farina, dessen Karossen
weltberühmt wurden.
Farina
war Pionier jenes Fahrstils, der sich nach dem Krieg immer mehr
durchsetzte und auch von Stirling Moss übernommen wurde: Er saß
mit ausgestreckten Armen sehr distanziert hinterm Lenkrad.
Sein Lehrmeister war Tazio Nuvolari, mit ihm zusammen gehörte
er schon Mitte der dreißiger Jahre zur Werksmannschaft von Alfa.
1937 gewann Farina den Grand Prix von Neapel, 1937 bis 1939 war er
italienischer Meister. 1939 lag er rundenlang im Grand Prix der Schweiz
mit einem unterlegenen Alfa "Alfetta", der nur 190 PS leistete,
vor den 500 PS starken Mercedes- und Auto-Union-Rennwagen.
Enzo
Ferrari nannte ihn den "kompletten Rennfahrer". Sein
Mut grenzte allerdings an Wahnwitz. 1948, als es wieder losging, sah
man ihn in einem privaten Maserati, er gewann die Grand Prix von Monaco,
Genf und Mar del Plata in Argentinien. 1949 siegte er mit diesem Maserati
in Lausanne, auf Ferrari holte er sich den Sieg im argentinischen
Rosario-Grand-Prix. Als Alfa Romeo 1950 wieder auf die Grand-Prix-Pisten
zurückkehrte, formierte man das Team der großen "F":
Fangio Farina Fagioli.
Die
drei saßen in den 1,5-Liter-Kompressor "Alfetta",
die keine Gegner hatten. Farina gewann vor Fagioli in Silverstone,
Fangio holte sich den Sieg in Monaco, auf dem Berner Bremgartenkurs
stand wieder Farina unterm Lorbeerkranz, Fangio siegte in Spa-Francorchamps
und Reims, Farina in Monza.
Immer
wieder hatte er böse Unfälle, doch er steckte sie mit
unglaublichem Gleichmut weg. 1954 kollidierten Gonzales und Hawthorn
im Grand Prix von Syrakus, die Autos brannten lichterloh, die Piste
auch. Farina fuhr durch das Inferno und gewann. Bei den Mille Miglia
hatte er einen schlimmen Unfall, beim 1.000-km-Rennen von Monza zerschnitt
eine brechende Kardanwelle die Benzinleitung seines Ferrari, worauf
das Auto in Flammen aufging. Farina mußte es von 240 km/h zusammenbremsen,
kletterte dann auf den Sitz, um bei fast 80 km/h aus den Flammen zu
springen, die das Cockpit erreicht hatten. Seine Verletzungen waren
schwer. 1955 fuhr er auf Ferrari. Für den Argentinien-Grand-Prix
konnte er sich nur noch mit Morphium-Spritzen einsatzfähig machen.
Ende der Saison gab er seinen Rückzug bekannt, aber 1956 wurde
er rückfällig, er qualifizierte sich in Indianapolis, hatte
in Monza erneut einen Unfall, bevor er endgültig den Helm abnahm.
Er
startete in 33 Grand Prix, holte sich fünf Pole-positions,
drehte fünfmal die schnellste Runde und wurde der erste Formel-1-Weltmeister.
Er hatte mörderische Unfälle auf der Rennbahn überlebt,
doch 1966 starb er bei einem Verkehrsunfall.